Während im Kindertraining das Gleichgewicht auf die Probe gestellt wurde, ging es im Erwachsenentraining um die Frage, was man tut, wenn plötzlich ein Stock von oben kommt. Gemeinsam war beiden Gruppen vor allem eines: Es blieb keine Zeit, an der Wand zu lehnen.
Kindertraining: Parcours, Ticker und Kata
Den Anfang machte Brittas Fitnessparcours mit Gleichgewichts-, Koordinations- und Kräftigungsübungen. Eine Station verlangt Balance, die nächste saubere Beinarbeit, die dritte schlicht Muskeln – wer meint, Karate beginne erst beim ersten Zuki, hat Brittas Parcours noch nicht gesehen.
Danach kam der Karateticker mit wechselnden Partnern. Das Spiel sorgt zuverlässig dafür, dass Distanzgefühl und Reaktion trainiert werden, ohne dass es sich nach Training anfühlt – die beste Tarnung, die eine Übung haben kann.
Für den technischen Teil wurde in zwei Leistungsgruppen unterteilt: Weiß auf der einen, Gelb/Orange auf der anderen Seite. So konnten die einen an der Taikyoku Shodan arbeiten, während die anderen sich an Heian Nidan und Heian Sandan versuchten. Jede Gruppe an ihrer eigenen Baustelle – und keine musste auf die andere warten.
Im Partnerteil folgte Gohon Kumite auf den Stufen Jodan, Chudan und Gedan, ebenfalls mit wechselnden Partnern. Fünf Angriffe, fünf Abwehrbewegungen, ein Konter – und jedes Mal ein neues Gegenüber, das etwas größer, schneller oder eben ganz anders ist. Danach wurden Grundschulkombinationen geübt, bevor Kräftigungs- und zum Schluss Entspannungsübungen die Einheit abrundeten. Erst anstrengen, dann durchatmen: eine Reihenfolge, gegen die niemand protestierte.
Erwachsenentraining: Verteidigung gegen Stockangriffe
Im Anschluss ging es für die Erwachsenen um den Schwerpunkt „Realistische Verteidigung gegen Stockangriffe“. Zur Vorbereitung wurden einfache Techniken aus der Grundschule geübt – bewusst schlicht gehalten, dafür mit Fokus auf Explosivität. Gegen einen Stock hilft keine schöne Technik, die eine halbe Sekunde zu spät kommt.
Darauf aufbauend wurde eine effektive Verteidigung gegen Stockangriffe von oben und von schräg oben erarbeitet, mit direktem Übergang in Gegenangriffe mit Knie- und Ellenbogenstößen. Der Weg nach innen ist unangenehm, aber genau dort verliert ein langer Gegenstand seinen Vorteil – wer dem Stock Platz lässt, arbeitet für den Angreifer mit.
Nach und nach wurden Geschwindigkeit und Intensität gesteigert, damit die Abläufe auch unter Druck stehen und nicht nur im Zeitlupentempo funktionieren. Zum Abschluss ging es um die Taktik zur Verteidigung gegen mehrere Angreifer – ein Thema, bei dem Standhalten selten die klügste Idee ist und Bewegung, Winkel und Übersicht mehr wert sind als jede Einzeltechnik.
Zwei Einheiten, zwei Ansätze, ein Freitagabend: Bei den Kindern wurde die Grundlage gelegt, bei den Erwachsenen der Ernstfall durchdacht. Und alle gingen mit dem gleichen Gefühl nach Hause – dem, ordentlich gearbeitet zu haben.